Geschichte
Das Kosakenkorps fand seinen Ursprung in geflüchteten russischen Bauern und Steppenbewohnern, die in die Länder zogen, die an ihre Heimat grenzten. Sie taten dies, um in Freiheit zu leben und diese verteidigen zu können. Es war die erste „Russische Emigration“, eine Emigration von Bauern, die andächtig die Liebe für die Bauernarbeit und „Mütterchen Russland“ hegten.
Das Leben der Kosaken war äußerst einfach und patriarchalisch. In Friedenszeiten beschäftigten sie sich mit dem Ackerbau, der Jagd, der Fischerei und militärischen Übungen. Hauptsächlich wurde das Schießen auf Ziele geübt. Ein Kosak zog nie zu Fuß in einen Feldzug, sondern immer zu Pferd. Zur Orientierung benutzte er die Sterne, und er konnte sich im Gelände gut tarnen. Er war ein guter Spurensucher, wodurch er in der Lage war, Feinde frühzeitig zu entdecken. In seinen Satteltaschen befand sich immer eine Ration Lebensmittel, die sich zusammensetzte aus Speck, Zwieback, getrocknetem Fleisch und Fisch sowie Hirse.
Kleinere Flüsse wurden an Furten über-quert. Um größere Flüsse zu überqueren, wurden aus Schilfrohr oder Holz kleine Flöße hergestellt. Diese wurden mit den Satteltaschen, Vorräten und Waffen beladen. Das Floß wurde dann am Schwanz eines Pferdes befestigt. Der Kosak hielt sich an der Mähne seines treuen Freundes fest, und gemeinsam ließen sie sich zum anderen Ufer treiben.
Viele Sprüche über die einfachen Lebens-Prinzipien der Kosaken finden sich im heutigen Sprachgebrauch wieder: „Ein Kosak weint nicht bei Mißgeschick“; „Ein Kosak trinkt aus seiner hohlen Hand und ißt aus seiner Handfläche“; „Ein Kosak hungert, aber sein Pferd ißt reichlich“.
Ein Kosak wird als ein Kosak geboren und stirbt als ein Kosak. Man kann ihn auch als einen wehrpflichtigen „Kolonist“ bezeichnen. Sein ganzes Leben verbrachte er mit arbeiten und wehrhaft sein. Das Endziel seiner Wehrpflicht war es, in der Lage zu sein, auch seine Söhne mit der notwendigen Ausrüstung zu versehen, damit auch diese den schweren Kosakendienst erfüllen konnten.
Das Kosakenkorps als Gesellschaftsklasse gründete sich auf den folgenden höchsten Prinzipien: Solidarität, Bruderschaft und gegenseitige Hilfsbereitschaft (selber durfte man sterben, aber ein Kamerad mußte gerettet werden). Sowohl Offiziere als auch die einfachen Kosaken leisteten diese Wehrpflicht aus einer tiefen verinnerlichten Überzeugung. Am meisten gefürchtet wurde die Strafe, die der Führer auferlegen konnte, für Nachlässigkeit. Daneben gab es noch die Furcht vor dem Spott der Kameraden und den Bürgern der Niederlassung (Stanitza). Die wundervollen Volkstraditionen des Kosaken-korps (Gesetzestreue, Disziplin, Arbeitslust, Mut, Respekt vor Älteren und Familien-beziehungen) sind erhalten geblieben und haben sich sogar verstärkt.
Die allgemeine Wehrpflicht betraf fast alle Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren. Dies hatte zur Folge, daß die schwere Aufgabe des Haushaltführens auf den Schultern der Kosakenfrauen lag. Der bekannte Historiker F. Sjtsjerbina schildert eine Kosakenfrau aus dieser Zeit als die ideale Frau. Sie verlor niemals ihren Mut, auch nicht während der schwersten Momente des Kosakenlebens. Kosakenfrauen waren den Männer nicht unterlegen, weder beim Reiten noch in der Tapferkeit. Sie konnten geschickt mit Gewehr und Säbel umgehen. Nicht selten stritten die Frauen, mit Waffen in ihren Händen, Seite an Seite mit ihren Männern zur Verteidigung ihres Lebens und ihres ärmlichen Besitzes. Kinder ab 10 Jahren konnten schon reiten und Pferde zähmen.
Teenager im Alter von 14 bis 15 Jahren konnten bereits mit Waffen umgehen und überwachten auf ihren Pferden ihre Herde zwischen allen anderen Pferden. Sie beteiligten sich, zusammen mit den Erwachsenen, an der Verteidigung der Festungen und Siedlungen. Die unglaubliche Tapferkeit einer Kosaken-siedlung zeigte sich am 10. Juni 1774 bei der Verteidigung der Festung Mozdok (gegründet in 1773 als Vorposten für die Verstärkung des nördlichen Grenz-gebietes der Kaukasus) und wurde von dem Historiker Vasilij Aleksandrovitsj Potto aufgezeichnet:
Es war die Zeit des ersten Russisch-Türkischen Krieges (1760 1774), als ein 8000 Männer starkes Heer von Tartaren, Kabardintsi und Türken die Hauptstadt von Naoerskije, Mozdok, umzingelte.
Die militärischen Kosaken waren an einem Feldzug beteiligt und befanden sich außerhalb der Festung. Nür die Älteren, die Frauen, die Kinder und eine kleine Gruppe von Regierungspersonen waren in der Festung zurückgeblieben. Der Feind hatte die Aufgabe, die schutzlosen Einwohner der Hauptstadt unerwartet anzugreifen. Der Stadt war zwar umgeben von einem Erdwall, aber dieser war noch nicht verstärkt worden. Der Feind stieß jedoch auf einen unvorstellbaren Widerstand eines Heeres in einer fremdartigen Rüstung: Die schön geschmückten Kosakenfrauen fürchteten sich weder vor den pfeifenden Kugeln und Pfeilen, noch vor dem Schreien und Johlen der Angreifer. Seite an Seite verteidigten die Älteren, Frauen und Kinder sich gegen die boshaften Angriffe der Tartaren. Sie wehrten sich mit Sicheln und spießten die Gegner, die versuchten über den Wal zu klettern, auf Mistgabeln auf. Am 10. Juni wurden mehrere Angriffswellen erfolgreich zurückgeschlagen und es gibt Zeugnisse, daß die Tartaren an einem Tag über 800 Männer verloren haben.
Am nächsten Tag reichte ein „gelungener“ Schuß aus der Kanone des Kosaken Perepork auf den Oberbefehlshaber der Gegner, um die Umzingelung zu beenden. Es wurde jedoch der Freund des Oberbefehlshabers getroffen, der dadurch getötet wurde. Der Oberkomman-dierende sah dies als ein Vorzeichen und hob die Belagerung auf.
Derartige Beispiele aus dem Leben der Kosaken sind zahllos.





















